Haus

Die Familienbildungsstätte hat ihr Domizil in einem historischen Gebäude in der Innenstadt von Naumburg. Heute befinden sich hier liebevoll sanierte Räume, in denen die Arbeit und das Zusammensein mit Familien in einer besonderen Atmosphäre möglich sind.

Für Geschichtsinteressierte geben wir einen kleine Einblick in die Chronik des Hauses.
„Herr wer wird wohnen in deiner Hütte?“ – Diese Frage stellt 1681 der damalige Eigentümer und Bauherr Veit Eckardt und lässt sie gut lesbar für alle Eintretenden über dem Portal anbringen auf einer Schrifttafel, die ein Engel in seinen Händen hält.
Natürlich bezog Veit Eckardt die Frage nicht nur auf seine „Hütte“, sondern auf das Haus Gottes, und er bekundet damit seine Frömmigkeit, die noch in weiteren Schriften im Haus zum Ausdruck kommt.
Die Neustraße 47 umfasst eine geschlossene Vierflügelanlage, an die sich rückwärtig weitere Gebäude anschließen, die sich auf der langgezogenen Parzelle bis an die Wenzelsmauer erstrecken. Bis auf das rechte Seitengebäude, das 1877 im Auftrag des damaligen Besitzers, des Seilermeisters August Ratsch errichtet wurde, stammt die Anlage aus dem 17. bzw. 18 Jahrhundert.
Heute können wir die Frage Veit Eckardts nach den Bewohnern, in Bezug auf sein Haus, rückblickend fast lückenlos beantworten: Der Arzt und Medizinlehrende(Lic. med.), Veit Eckardt (1678 – 1681), hat das Haus an der Stelle eines Vorgängerbaus, der wahrscheinlich 1517 beim großen Stadtbrand zerstört worden war, errichten lassen.
Er wählte damit einen prominenten Standort für sein Wohnhaus: direkt neben dem repräsentativen Gebäude Neustraße 46, der ehemaligen kurfürstlichen Münze, die 1621 von Kurfürst Johann Georg I. dort eingerichtet wurde.
Die Neustraße 47 verblieb nach dem Tode Eckardts noch bis mindestens1735 im Besitz seiner Nachkommen. Anschließend beherbergte das Gebäude das erste Naumburger Postamt. 1779 wurde die Post von der Neustraße in den Weingarten 29 verlegt und 1823 in das Renaissancegebäude Jacobstraße 26, das die Naumburger heute noch als „Alte Post“ bezeichnen.
Aus einer überlieferten Brandbeschreibung wissen wir, dass das Haus Neustraße 47 eines von drei Gebäuden in der Neustraße war, das nicht den Flammen des verheerenden Brandes von 1716 zum Opfer fiel, der alle übrigen Häuser in der Neustraße dem Erdboden gleich machte. Ein wichtiges Datum für das Haus ist das Jahr 1836; es markierte die Umfangreiche Umbauphase, die noch heute sowohl die Hauptfassade als auch die Innenausstattung prägt. Sie erfolgte unter dem geheimen Justizrat Franz Alexander Bielitz, der bis zu seinem Tode 1876 das Haus bewohnte.
Bielitz hatte für die Umgestaltung den Architekten Elschner beauftragt, auf den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Neu- und Umbauten in Naumburg zurückgehen.
Dieser entwirft eine spätklassizistische Fassade mit Putzquaderung, Fensterumrahmungen und Verdachungen im EG und 1.OG, einem kräftigen Geschossgesims über dem EG, das von vier Pilastern getragen wird und einem prächtigen Eingangsportal, welches ebenfalls von Pilastern gerahmt wird. Fast annähernd nach Elschners Entwurf wird die Fassade auch ausgeführt; dabei wird der alten Fassade ab dem 1.OG eine Ziegelwand vorgeblendet.
Eine restauratorische Untersuchung konnte die originale Farbigkeit der Fassade ermitteln, die bei der Sanierung wiederhergestellt wurde. So zeigt sich das Gebäude nach außen mit der ockerfarbenen Fassade, den heller abgesetzten Architekturgliedern und dem grünen Tor wieder in seinem alten Gesicht.
Auch im Innern wurden interessante Befunde sowohl aus der Erbauungszeit als auch der Umbauphase von 1836 entdeckt: So konnte zunächst aufgrund von bestimmten Putzzusammenhängen festgestellt werden, dass die frommen Inschriften in der Tordurchfahrt aus der ersten Zeit des Hauses stammen (1681): „Sehet zu wachet und betet, den ihr wißet nicht, wen es Zeit ist“, heißt es beispielsweise am Bogen des Kellerabgangs unter einem Relief, das einen Kranich zeigt, welcher einen Stein in seinen Klauen hält.
Der Kranich mit Stein ist vor allem in der Renaissance und im Barock ein Symbol der Wachsamkeit sowie der christlichen Moralerziehung. Als Hauszeichen befindet er sich auch an anderen Gebäuden in Naumburg (z.B. Marienstraße 24). Glaube an den Herrn Jesum, so wirstu und dein Hauß Seelig,“ ermahnt eine weitere Inschrift, die Veit Eckardt in seiner Durchfahrt hat anbringen lassen.
Aus der Umbauphase von 1836 haben sich verschiedene Ausstattungselemente mit den dazugehörigen Farbfassungen erhalten; beispielsweise ein Wandschrank im EG links der Tordurchfahrt. Aber besonders das 1.OG, die Beletage, ist noch heute geprägt von der damaligen Umgestaltung: Das Treppenhaus mit großzügiger Diele vermittelt über herrschaftliche zweiflügelige Kassettentüren den Übergang in die angrenzenden Räume.
Im Wandbereich konnte auf einer neuen Putzlage die Farbfassung von 1836 ermittelt werden, die im Bereich der Diele rekonstruiert wird: großflächig angelegte graugrüne Spiegel, die seitlich von roten Bändern gerahmt und zur Decke hin von einem roten Mäanderfries begrenzt werden.

(Quelle: Stadtarchiv der Stadt Naumburg/Saale)